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Am Anfang war die Logik. Der Kalte Kanal. 20 Franc für Togo.
|° Kapitel Eins
 
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Fr., 4.8.00 (21:37)vor Magdeburg

im IR Bln - Hannover 25882
20:27 - 23:34
-> keine besonderen Ereignisse
-> Verabschiedung von Berlin

Irgendwie hatte ich damals noch keine Lust, viel zu schreiben. Die Verabschiedung sah bei Jan so aus, dass er sich aus dem Zugfenster lehnte und laut schrie. Wir saßen zum Glück allein in einem Abteil!

 
 

Sa., 5.8.00 (1:36) nahe Haste bei Hannover

- RE 22?? nach Minden3
3 Mädels (...) + 2 alte Kerle flirten ?!?! Ziehen dabei dreimal um. Fabian geht zwischendurch die Mädels begutachten. Danach geht er auf Toilette... Wasserhahn kaputt!
-Fabian ist von einem der Mädchen angetan.

(2:58) auf Mindener Bhf.

Wir versuchen auf einer Bank zu schlafen. Ruchsäcke als Kopfkissen und Isomatte als Unterlage.
Weitere Darsteller: bisschen Polizei, 1 Wachschutzmann, 3 "Putzteufel"
Gelegentlich vorbeirasende Güterzüge halten uns vom Schlafen ab. Jan: "Ick muss pinkeln!"

(5:30) RE Minden - Bielefeld4

VdA

-> dazw. Bielefeld - Aachen5
3½ Stunden mussten wir in einem vollen Regionalexpress sitzen. Mit einer arroganten Oma, 4 kleinen nervenden Kindern und 3 Fahrscheinkontrollen.

(10:14) Aachen - Heerlen RB 147086

(11:00) Heerlen - Maastricht Randweyk - Sneltrain -7

-> dazw. Maastricht - Liège8
Jan musste gerade auf's Klo. extrem kurze Bekanntschaft mit franz. Gruppe. Fabian späßelt mit der Französin (Hut)! Jan klopfte sich vergnügt die Schenkel.

Keine Angst, die Einträge werden bald logischer, bedeutender - einfach besser!

(12:50) im IC Liège - Brüssel9

(13:10) gleicher Ort

Jan:"Weck' mich, wenn der Schaffner kommt."
Eigenlich kein schlechter Titel für einen Splattermovie.

Apropos Schaffner bzw. Kontrolleure, -leuse: die Statistik weist bis jetzt mit einem 7:1-Stand für die männliche Fraktion auf einen deutlich sexistischen Hang bei der dt. und belgischen (und natürlich niederländischen) Bahn hin. Trotzdem sind wir von den belgischen Beamten bisher überrascht: man erhält Tipps und Infos, sogar ohne Nachfrage und sogar unser Interrail-Ticket scheint einen gewissen Bekanntheitsgrad zu haben - ganz im Gegenteil zur DB !!!
Mit einstimmiger Maehrheit wurde die DB heute zum kundenunfreundlichsten, inkompetentesten, halsabschneiderischten und sektenähnlichsten deutschen Unternehmen gewählt.
Da aber auch wir nicht profitunabgeneigt sind, arbeiten wir in geheimer Mission für die DB. Um das derzeit nich recht schlichte und übersichtliche Tarifsystem noch kundenfreundlicher zu gestalten, arbeiten wir ein Ausnahmen- und Sondertarifkatalog aus, der spätenstens zur Interraisaison 2001 um gesetzt werden soll.

DER DB-2001-Masterplan (IRR=Interrail)
1. Einführung des nationalen "Verbundnetzes", d.h., keine Ermäßigungen für IRR auf allen Strecken.
2. Zur Kostensenkung in der Ausbildung wird das Kapitel "Interrail" für Bahnbegleiter und Bahnhofspersonal gestrichen.
3. Einführung eines zusätzlichen Ausnahmenkatalogs.
3.1. Pärchentarif (max. Altersunterschied 4 Jahre)
3.1.1. Monobrillenträgertarif für Pärchen
4. Sondertarife der Paragraphen 3 und 23. gelten NICHT im Umkreis von 75,24 km um Messegelände (Bln, Hannover, Frf. (Frankfurt), Leipzig), Rummelplätze und Kirmissen jeglicher Art sowie Zirkussen (?!), sowie vom 23.V. - 14.IX.
5. Kräht der Hahn auf dem Mist, ändern sich die Tarife, oder alles bleibt, wie es ist.
6. Einführung der DB-Greencard für belgische Bahnangestellte.
7. Einführung der DB-Greencard für römische Polizisten. (Die Erklärung dafür folgt später.)

Jan wimmelt anbandelnde Frauen mit seinen grandiosen Französischkenntnissen ab. Weiß doch jeder, was "Coupé" heißt...

 

 
Blick über Brüssel

(20:10) mitten in Brüssel, auf der Treppe hinter der Statue

Heute war ein schöner Tag. Am Nachmittag wurde das Wetter sonning (?!). Ohne Rucksack (4,- DM (80Bfr) an der Bahnhofsgepäckabgabe) sind wir durch Brüssel gezogen. Jan hat erst mal meinen Fotoapparat (von Goldline, die Billigfirma) beschädigt. Neben der Filmklappe (die gestern schon mit Isoband abgeklebt werden musste) müssen jetzt die Batterien am Herausfallen gehindert werden. In der Luxus-Fress-Meile haben wir uns einen Fal-ál-fel du Gyros Chackory gegönnt. (120Bfr) Wie sich herausstellen sollte, war das die letzte ordenliche Mahlzeit vor einer langen Durststrecke auf unserer Tour.
Auf der Treppe am Denkmal und vor der Kirche (dessen Name nur MAURICE kennt) und auf dem Grote Markt haben wir die Sonne genossen und uns von den Strapazen der ersten Etappe erholt - und uns nebenbei die "Sterne des Westens" angeschaut.

So., 6.8.00 (8:36) Paris Lazare Bhf.

Die letzte Nacht haben wir im Schlafwagen von Brüssel nach Paris10 verbracht und zwar auf unseren Isomatten auf dem Fußboden des Fahrradabteils. In Paris angekommen, haben wir mit der Metro den Bahnhof gewechselt und warten jetzt auf den Zug nach Le Havre. Die Nacht im Fahrradabteil war sicherlich bequemer und erholsamer als in den überfüllten Schlafwagons. Für mich jedenfalls, den selbsternannten Liegewagenhasser.

Mo., 7.8.00 (23:34) im TGV Paris - Hendaye - (Irún)15

Wow, viel passiert in den letzten 39 Std.
Wir sind mit dem Zug Richtung Le Havre bis nach Bréaute11 gefahren und von dort mit dem SEV-Bus (SNCF)12 nach Fécamp, ein kleines Küstenfischerdörfchen an der Kanalküste. Dort haben wir gleich den genial gelegenen (an der Steilküste mit Blick auf das offene Meer) und billigen (≈40FF p. Nacht für 2 Personen) Campingplatz angesteuert. Das war ziemlich genau gg. 12.00, obwohl es uns - nach den stressigen Tagen (Damals wusste ich noch nicht, was uns noch erwartet. Obwohl ich am Abend in Brüssel zugegebenermaßen an meine Belastungsgrenze gestoßen bin.) - wie 18 Uhr vorkam.

Wir haben erst einmal die Strandpromenade abgecheckt (tolles Wort..), mit allem, was sie zu bieten hat. Vor dem Essen (dazu später) wollten wir uns körperlich ertüchtigen und bestiegen kurzerhand die Klippenküste am entgegenliegenden Ortsende (?!). Dorthin zu kommen war das größte Problem. Fécamp hat einen - für den Binnenlandbewohner - komplexen und etwas unlogischen Hafenaufbau, den es nur über entlegende Brücken zu umgehen vermag (?!). Die geistigen und körperlichen Anstrengungen wurden aber spätestens oben entlohnt: ein grandioser Blick über die Klippenlandschaft (bis hin nach Etrétat (bekannt aus dem Frz.-Buch)), alte Kriegbunker (heute mit organischem Giftgas gefüllt) und Möven beim Brüten. Die gemachten Fotos werden nach der Tour an die GEO o. d. National Geographic verscherbelt.
Wir kletterten wieder hinunter, aber es sollte nicht das letztemal sein... Und es handelte sich übrigens doch nicht um Etrétat, sondern irgendein anderes Dorf.
Auf der Rücktour (über die "attraktive" Strandpromenade) erhielt ich von Jan wieder mal eine Gratisstunde in Motorradkunde - unglaublich interessant - die Tonmitschnitte werden später an den ORB oder MDR für's Nachtprogramm verkauft! Durchgeschwitzt und auf der Flucht (Anmerk.: Ich höre gerade unsere selbstzusammengestellte Music Casette mit den Smashing Pumpkins, Bush, Deftones, Metallica, Cardigans und Moby.) entschieden wir uns, im Halbatlantik baden zu gehen (als fast die Einzigsten im Dorf). Das Wasser war soooo kalt aber es war genau das richtige nach 2 Tagen Schwitzen und kaum waschen. Jans Füße wurden von den Steinen angegriffen, die, immer wenn er auftreten wollte, genau ihre Spitze nach oben drehen mussten - naja. Abends waren wir nochmal an der Strandpromenade (schon schön da - auch die Crêpes!), bis Jan gegen 23:40 Uhr bemerkte, dass wir "heute um 23:30 ins Bett müssen", um früh munter zu sein. Gute Theorie Tom, oder besser: Mister Hunt. Oh ja, die Einflüsse aus Hollywood...
Na gut, wir haben es dann doch noch geschafft, relativ früh (6:20) aufzustehen. Um 7:43 wollten wir mit dem Bus zurück nach Bréauté - um 7:20 sind wir vom Zeltplatz los (reichlich knapp, aber eigentlich zu spät), also mussten wir rennen (mit den Rucksäcken). Als wir dann, auf die Minute genau, ankamen war kein Bus da...und der nächste kam um 10 Uhr. NO COMMENT. Auch heute noch nicht, zumal ich immer noch nicht nicht genau weiß, wie wir darauf kamen, dass der Bus um 7:43 fahren würde. Der Fahrplan sagte nämlich eindeutig, dass der erste um 10 Uhr nochwas fuhr. Naja, egal.

Paris war OK, wie immer, mit zwei Ausnahmen: Jan lässt sich in der Nähe des Louvre von Afrikanern zu einer Unterschrift bequatschen oder überredet. Ohne irgend etwas auf dem Zettel des Typen zu lesen. Als er losgehen will, verlangt der Afrikaner dann doch die eben zugesicherten 50FF. Naja, Jan rückt dann noch 20FF rüber - für einen guten Zweck - immerhin. Jan gab später zu, dass er wirklich etwas naiv handelte.
2. Ausnahme: Es gibt in ganz Paris Cité anscheinend keinen einzigen sog. Supermarché!!! Halbverdurstet rannten wir duch die ganzen Boutique-Zentren... - bin erstmal müde -
Dafür kann ich ja jetzt weiterschreiben. Na jedenfalls war ich da wirklich mies gelaunt. Die Franzosen können sich doch nicht von Klamotten ernähren!!! In jeder anderen (Groß-)Stadt gibt es Supermärkte - nur nicht in Paris. Die Ernährungsfrage wurde im späteren Verlauf der Tour zu einem ganz wichtigen Punkt - doch dazu vielleicht später mehr. Der Aufregung nach der Supermarktjagd folgte dieser Eintrag:

OFFIZIELLE ÖFFENTLICHE BEKANNTMACHUNG
ANNONCEMENT OFFICIEL et PUBLIC (da ging's nicht weiter)
- Das Wort "supermarché" wird unverzüglich aus allen Neuauflagen von Französ. Wörterbüchern gestrichen.
[meine Unterschrift]


 
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