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Aus 2 mach 15. Abwaschen international. Sushi à la montagne.
|° Kapitel Drei
 
 

13.8.00 (22.44)

Japaner sind cool!

Ich denke, der vorhergehende LIVE-Eintrag bedarf einer Erklärung. Die folgt aber erst etwas später...

14.8.00 (13:10) im Zug St. Gervais - Chambery26

Die letzten beiden Tage haben wir uns in Chamonix Mt Blanc ausgeruht.
Wie es dazu kam: Nachdem wir den Crêpe in Monaco geradeso verdaut hatten, haben wir es uns an der Uferpromenade bequem gemacht und Leute beobachtet.
Eine Frau hatte eine Galerie von Holzspielzeugen aufgebaut. Es war sehr amüsant zuzuschauen, wie - teilweise - erwachsene Menschen versuchen, das Spielprinzip herauszubekommen. Am besten waren ein ca. 10-jähriger Junge und seine ca. 3 Jahre ältere Schwester und deren steinreicher Opa. Sie spielen (nicht der Opa) gegen einander eine Art Tischhockey, d.h., der Bruder spielte, sie hingegen guckte in der Weltgeschichte rum und reagierte überhaupt nicht auf den Jungen. Genauso emotionslos war dann auch ihre Reaktion, als sie das Spiel verlor.
Dann holten wir unsere Rucksäcke auf dem Bhf. wieder ab und machten uns auf den Weg zurück nach Nizza21.
Von dort aus ging es über Nacht nach Chambery22 (). Jetzt frag' mich einer, wozu ich damals die leeren Klammern gesetzt habe! Hmm? Es war die bis jetzt schlafreichste Nachtfahrt der Tour. Wir wachten erst auf, als der Zug schon 3 Min. im Bhf. von Chambery gestanden hatte und hattes es dann umso eiliger, diesen zu verlassen. Das war gg. 6:00. Vom Chambery nahmen wir gleich einen Zug nach St. Gervais23. - Später merkte Jan, dass er im Nice - Chamb.-Nachtzug beklaut wurde. Sein Portemonnaie lag auf dem Boden und das Geld war raus. -
Dort (im Zug nach St. Gervais) lernten wir einen Typen aus Bad Kissingen kennen. Er macht eine 2-Wochen-Tour und wollte später Richtung Niederlande, weil er ab September in Den Haag studiert - irgendwas politisch-soziales oder so. Er war auch schon in Litauen (Geheimtipp) und hat als Zivi Hausmeister gemacht. Wir wissen zwar nicht, wie Du heißt, aber ich denke Du erkennst Dich wieder, wenn Du das hier liest. Also: Schöne Grüße!!
Von St. Gervais ging gleich ein Regionaltingelzug nach Chamonix24. Mit einem Panoramawagen durchs Hochgebirge - toll. Chamonix gg. 8:30-9:00.
Chamonix Mt. Blanc ist ein typischer Alpen-Touri-Ort, aber schön: Souvenirläden en masse, Berge, Sommerrodelbahn, Seilbahn etc. Wir verabschiedeten uns vom Bad Kissinger (wo Jan auch schon mal im Urlaub war) und suchten einen Campingplatz, der uns für die folgenden 3 Nächte Unterkunft bieten sollte. (Kurze Anmerkung: Im Zug nach Monaco sowie im Zug nach Chamonix ist mir bewusst geworden, dass sich Jan in einem Zeitraum von 40 min neun Mal je 27,5 sec. durch die Haare streicht.) (Die 27,5 s sind ein Durchschnittswert!) Etwas außerhalb (10 min) vom Zentrum fanden wir den Platz "Les Rossières". Ein sehr schönes Fleckchen: mitten im Tal (Bounty™ = lecker) mit Panoramablick auf die Berge, an einem Bergfluss. Außerdem wurde uns ein sehr netter Empfang bereitet:

"Attendez justement deux minutes!" (Oder so ähnlich..)

hieß es, und aus den 2 min wurden 15!! Aber wartet man nicht gerne, um von einem so wunderschönen Rezeptionsoffice zu einem noch viel süßerem kleinen Zeltstellplatz gebracht zu werden?! Ich meine: ja!
Nach dem erfolgreichen Zeltaufbau (?!) (Jan riss es im Laufe der 2½ Tage noch rund 20 Mal ein.) wanderten wir gleich einen kleinen Bergkamm hinauf. Abseits der öffentlichen Pfade in bis zu 2200m Höhe mit nur 1l H2O war das ein höllisch gefährliches Unterfangen. (In den drei Wochen gewöhnten wir uns an einen durchschnittlichen Wasserverbrauch von nur knapp zwei Liter pro Tag. Und das bei meist heißen Temperaturen.)
Nach ungefähr 1200m überwundenem Höhenunterschied war es 16:00, Zeit für uns, umzukehren, obwohl der Gipfel nur noch 10m über uns lag - da muss man hart bleiben. Die Vorfreude auf den schönen Zeltplatz und eine schöne Dusche wuchs mit jedem Meter bergab. Außerdem wartete auf uns noch der supermarché (von denen gab es hier sogar mehrere) mit erfrischenden Getränken. An der Rezeption noch eine Briefmarke (nein lieber gleich 3) gekauft. (Ich weiß immer noch nicht, was süß auf Frz. heißt. (Nerv, ich guck' gleich nach!))

(14:13) Ich glaube, Jan "verliebt" sich gerade in eine Abteilnachbarin oder Nachbarn (??).

Abends gibt's Platzregen - ne Quatsch. Hilfe, gelber keimiger Vorhang erschlägt mich.
An der Rezeption (schon wieder) erst mal erkundigt, wie man am besten auf den Mt Blanc (oder wenigstens auf den Chamonix'er Stadtberg "Aiguille du Midi") kommt. Erkenntnis : Reservierung wäre angebracht. Also gg. 21:00 zum Telefon um den "télephérique" (schönes Wort) zu reservieren. Tolle Konversation mit Stimme vom Band über die Tastatur gehabt. Letztendlich bekamen wir die No. 12 12 50 02 zugewiesen - cool!
Meine Hand schwitzt. Schreibe sein 1:15h)
Also ging es am nächsten Morgen (gg. 12:50) mit dem téléphérique hoch zum Aiguille de Plan und zum Aiguille du Midi. An Bord und auf dem Berg ca. 50% Japaner (teils mit superlustigen pinkfarbenen Sonnencaps). Die kreischten wie in einer Achterbahn. Oben waren ca. 0°C - huh. Ich möchte nicht allzu viel schreiben, weil mir sonst die ca. 35 verschossenen Fotos als noch größere Verschwendung erschienen. (Das war Konjunktiv I, oder?!)
Apropos Verschwendung: als ich am Vorabend am Hygienehäuschen abwaschen wollte, oder musste, vergaß ich dummerweise unser Spüli-Duschbad im Zelt. Da ich das Geschirr nicht noch einmal spazieren tragen wollte, ich aber andererseits zu misstrauisch bin, etwas derart wertvolles (und dreckiges) unbeaufsichtigt stehen zu lassen, musste ich eine Lsg. (Lösung) finden. An einem anderen Waschbecken stand ein Mädchen (Nein...!) - von Natur aus zuverlässige Aufsichtspersonen (ernst gemeint) - mein (unser) Geschirr war gerettet. Ich stellte es demonstrativ neben sie und sagt:
"Pardon, tu peut - ähh... OK - Could you have a look at this please. I've forgotten sth. in my tent."
Während meiner sprachlichen Eskapaden guckte sie mich aber nur verwirrt an. Schließlich nickte sie und sagte:
"OK, mach' ick!"
Oha! Sie war aus Guben und am nächsten Tag wusch die wieder ab.

Ich bin stolz, wie ich eine so aberwitzige Situation so nüchtern wiedergeben kann.

(PS: Das Geburtstagsgeschenk für Frieda hat in Chamonix nur 64F ≈ 21,33 DM gekostet. Ich glaub wir wurden beschissen!) (LIVE: "Ich krich Zuch im Ohr!" (F))
Ist das heiß hier drin. (Immer diese Einwürfe!..)

OK, weiter: zum Abend war ich dann noch einmal in der Rezeption eine Postkarte kaufen. Als Festmahl gönnten wir uns Paella mit Fisch und Meeresfrüchtchen - sehr lecker (Außnahmsweise mal nicht ironisch gemeint!). Auch unser Geist wurde beim abendlichen im-Zelt-unterm-Sternenhimmel-philosophieren genährt - nach tagelanger Abstinenz.

Warum sind Japaner cool? Die Erklärung:
Als wir auf dem Campingplatz in Chamonix ankamen, stand neben dem von uns ausgewählten Platz ein äußerst ungewöhnliches Zelt. Eigentlich eher ein kleiner Pavillon: die Basis bildete ein kleines Zwei-Personen-Zelt, darüber war jedoch zusätzlich eine kunstvoll geschwungene Plane gespannt, die noch eine große Fläche vor dem Zelt überdeckte. Darunter stand ein Tisch - nein, eine Tafel. Auf ihr standen der komplette Inhalt einer gut gefüllten Minibar und Geschirr, das auf einen ausgiebig durchgefeierten Vorabend schließen ließ. Weiterhin gab es einen großen Gaskocher, eine große Pfanne und mehrere 5-Liter-Behälter Trinkwasser.
Ein ähnliches "Domizil" stand einige Meter entfernt.
Im Laufe des Tages beobachteten wir, dass es sich um Japaner handelte, die - so sah es aus - den ganzen Tag dort verbrachten. An unserem Philosophieabend fand sich die Gruppe zusammen und unterhielt sich und lachte bis spät in die Nacht. Für unsere europäischen Ohren klang das alles sehr faszinierend und stärkte das Gefühl der weiten Welt.
Bis heute wissen wir nicht, wie die das ganze Zeug dahin gebracht haben. Ein Auto hatten sie jedenfalls nicht dabei...

(16:06) im Bhf. Aix-les-Bains

Der nächste Tag war faul, bzw. wir. Einkaufen, bisschen spazieren. 2 komische Dialoge:
- nach dem Abwaschen auf dem Weg zum Zelt:
Jan: "Fabian, hol' schon mal den Lederriemen raus!"
- abends im Zelt:
Jan: "Fabian, was machst du da?"
F: "Ich fummle mir am Hintern rum (in der Tasche). Mal sehen, ob noch was drin ist."
Haha!


 
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