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Cliffhanger. Abwaschen International II. Ein Schwein mit Kaugummi.
|° Kapitel Sechs
 
 

(19:40) Wir campen wild auf historischem Boden und fühlen uns unrein. Der Krieg liegt nun schon 55 Jahre zurück. Jan : "Deutschland hat 4:1 gewonnen." Fabian: "Ich fühl' mich wie Goebbels" (Erstes Zitat von mir geschrieben, zweites von Jan. Bloß nicht ernst nehmen!)

22.8.00 (13:32) im Zug Fécamp - Bréauté46, noch im Bhf.

Ich glaube, ich muss erst einmal 55 Stunden zurückgehen. Wir kamen also vorgestern früh in Nizza an. Die Stadt hat uns - im Gegensatz zum Bhf. - ganz gut gefallen: schöne Strandpromenade, schönes Zentrum mit kleinen Gassen und Parks usw.
Mittags sind wir wiedermal nach Monaco41 gefahren, weil wir dort letztes Mal den Fotoapparat im Schließfach vergessen hatten. Leider waren alle Geschäfte zu (klar: Sonntag). Diesmal kletterten wir auch auf den Grimaldifelsen von dem aus man eine geniale Sicht hatte. Abends ging es dann von Nizza mit dem Nachtzug Richtung Paris43. (siehe vorhergehende Ausführungen).
Dort angekommen, wechselten wir den Bhf. von Gare de Lyon nach Lazare, wo ich - auf Nahrungssuche - in der vielleicht teuersten und          (da fehlt ein Adjektiv...) Bäckerei Paris' landete (-> PAUL). Das Cerialienbaguette ist wirklich empfehlenswert.

Von Lazare aus ging es wieder Richtung Le Havre bis Bréauté44, und von dort (diesmal nicht im Schienenersatzverkehr) nach Fécamp45. Um so viele Möglichkeiten wie möglich, was Übernachtungen angeht, auszuschöpfen, waren wir entschlossen, diesmal unser Zelt abseits aller offiziellen Pfade aufzuschlagen. So kletterten wir mitsamt den Rucksäcken den altbekannten Kreidefelsen über dem Hafen hinauf - in gut 45min. Unter den Augen von wachsamen Touris und im Blickfeld eines Schifffahrtstowers bauten wir unsere Unterkunft nur ca. 10m vom Abgrund auf.

Runter in die Stadt zum Einkaufen dauerte es wieder 45 min. Hier gibt es wenigstens ordentliche Crêpes! Für nur 8FF! Zurück wieder 45 min. Dort oben, wo unser Zelt steht, haben wir die wahrscheinlich schlechtesten hygienischen Bedingungen der Tour:
(Ich brauchte knapp 2 Minuten, um den letzten Satz zu entschlüsseln.)

Kein fließend Wasser, und auch sonst keins, keine Toiletten - nichts.
Abends gab es Dosenravioli und in der übriggebliebenen Soße den Rest Nudeln vom Gardasee. Aufgrund der außergewöhnlichen Windbedingungen wurde der Gaskocher bis an seine Leistungsgrenze belastet.
Um 20:?? ging es - naja - 45min runter in die Stadt - die uns aber überhaupt nichts bot...

23.8.00 (14:21) im Zug Bréauté nach Paris Lazare51

...na gut, fast nichts bot.
Im Dunkeln - 45min - zurück zum "Zeltplatz". Mit einem Fuß im Abgrund merkten wir, dass wier an der Klippe waren und machten - ausnahmsweise - einen Schritt zurück.
Nach den Erfahrungen mit den vorhergehenden Zeltplätzen (womit ich vor Allem Pompeij meine) und den Nachtzugfahrten, erhofften wir uns dort oben eigentlich eine ruhige Nacht - und die Hoffnung stirbt zuletzt. Dass das genau an diesem Abend sein musste, war aber nicht geplant.
Jedenfalls, glaubt man gar nicht, was ein Zelt in Verbindung mit hohem Gras und böigem Wind für Geräusche produzieren kann. Der Sensenmann erschien uns nicht mehr weit, als wir merkten, dass es sich um eine teuflische kleine Supermarkttüte handelte. Dazu kamen sicherlich noch die Ravioli, die uns schwer im Magen lagen - sozusagen.

Der nächste Morgen war umso erfrischender: um 11:00 wurden wir von der Sonne und vertrautem Touristengeplapper geweckt und von einem Meerblick erster Güte belohnt. (Wofür??)
Gut gelaunt und mit viel Vertrauen in die Normannen (?) verließen wir das Zelt, um uns auf den Weg nach Le Havre zu machen.
(Mit dem Zug Fécamp -> Bréauté46
Bréauté -> Le Havre47)

(Seite 55)

Le Havre ist ziemlich unspektakulär, eine kleinere Großstadt. Erst waren wir bei McDo und dann am Hafen. Die Fähre nach Portsmouth war das einzige größere Schiff hier - man muss dazu sagen, dass wir nur einen kleinen Teil des Hafens gesehen haben.
An der Uferpromenade gingen wir weiter bis zu einer Halfpipe am Strand, auf der gerade eine Minimeisterschaft von Inline-Skatern durchgeführt wurde. Da war ganz schön was los: schöne Promenade, und noch schönere Crêpes - so dachten wir. Denn auf einem Preisschild lachte uns plötzlich das unglaubliche Angebot "Crêpe au Sucre 4FF" an. Obwohl es uns etwas komisch vorkam, bestellte ich einen. Leider wurden wir enttäuscht. Für einen Crêpe nach EU-Norm wäre der Preis einmalig gewesen, das was ich in den Händen hielt war ein ein Pseudo-Crêpe halber Größe. Verbittert verabschiedeten wir uns aus Le Havre.
Doch vorher fotografiere ich noch eine zusammengepresste Evianflasche mit einem Apfel drin - ich glaube es ist Kunst, stoße aber auf das Missverständnis eines Inline-Skaters, den die ganze Aktion verwirrt.
Nach drei Tagen ohne Hygiene fühlen wir uns als Camper und leben das auch aus - ohne Rücksicht auf unsere Umwelt.
(Vielleicht sollte ich mal wieder in der Vergangenheitsform schreiben, der ständige Wechsel verwirrt mich!)
OK, wir fühlten uns als Camper und lebten das auch aus - ohne Rücksicht auf unsere Umwelt. Das Abendessen wurde jedenfalls zu einem mittleren Desaster.
(Coole WCs haben wir hier, mit bewegungssensitivem Wasserhahn und Lüfter.)

(23:00) Yo, great - die vorhergehende Seite habe ich aus Versehen freigelassen. Ungefähr 99% der Leute vom Pariser Gare du Nord zwängen sich gerade in den Nachtzug nach Amsterdam54 , so auch wir. Neben mir isst jmd. Döner oder so was - ich krieg' Hunger. Zu dem Dönerfresser komme ich nachher nochmal... Der Gare du Nord ist so ziemlich der "letzte" Pariser Bhf. - jedenfalls abends. Viele komische Leute aber auch weniger komische...- leider einerseits, aber auch leider, andererseits. - Der letzte Satz ist nur was für mich, obwohl ich bezweifle, ihn nach einiger Zeit selbst noch zu verstehen. (Naja, gerade so...)
Z. Zt. habe ich einen Ohrwurm von den Foo Fighters (glaube ich). OK, jetzt zurück zu den Fakten, d.h., zum Abendessen gestern:

wir hatten uns im Supermarché mal wie (zum 2. Mal) Paella gekauft. Vom Vortag wussten wir, wie windig es gerade oben auf dem historischen Bunker ist, und so suchte ich uns eine relativ windstille Stelle zum Stehen - für den Kocher - (auch ohne Stuhl). (Der Satz hat Stil!)
Zuerst musste sowieso noch das Geschirr vom Vorabend abgewaschen werden, was ohne fließend Wasser ziemlich kompliziert ist. Mein Rezept:
Man nehme ca. 250ml H2O und füge 2 Tropfen Duschbad (für empfindliche / trockene Haut) hinzu. Das Gemisch bringe man nahe an den Siedepunkt. Nun schwenke man die gewonnene Putzlauge im Topf und kratze mit einem Plastikmesser die sich lösenden Essenreste ab.

(23:24 : Wir sitzen gerade im Zug nach Amsterdam54 .)
Jedenfalls suchte ich eine windstille Ecke, und fand sie auch. Leider war sie schräg. Das machte erst nichts aus, aber als die Paella-Anleitung besagte, den Doseninhalt zuzugeben, reichte das Topfvolumen nicht mehr aus. Die schöne Soße lief über den Topfrand die Außenwand entlang, tropfte auf den Kocher und auf den historischen schrägen Betonklotz hinein ins Gebüsch.
Kurz vorher fiel mir der Deckel aus der Hand, und in den Topf und schleuderte wertvollen Reis heraus. Beim Herausnehmen verbrannte ich mir die Finger und ließ den Deckel nochmal fallen, diesmal auf mein Knie, das zusätzlich mit kochender Soße bekleckert wurde. Es war schrecklich... Kurz darauf - bei einem von Jans berüchtigten Umrührversuchen - verlagerte der böse Reis plötzlich einfach sein Gewicht und brachte unseren Miniherd fast zum Umfallen. Topf, Kocher, Bunker und Knie waren jetzt völlig hinüber. Letztendlich hat es aber doch sehr gut geschmeckt.
Es folgten eine sehr richtige Notiz und eine interessante Anmerkung:

Bei der Veröffentlichung dieses Tagebuches wird auf Authenzität höchsten Wert gelegt! (So ist es!)

Anmerkung: Zum Thema "Frankreich gegen die Amerikanisierung und Anglizismen". In der Metro in Paris fiel mir auf einem Werbeplakat für einen Internetshop auf, dass "online" in Frankreich nach "en ligne" übersetzt wird. Schon komisch.

24.8.00 (0:38)

Eben habe ich das Bild auf der vorhergehenden Seite gezeichnet. Inspiriert durch gute Musik (Pumpkins), rauchende Nachbarn und die späte (frühe) Stunde. Mein Zeitgefühl ist ca. 5 Std. zurück.
Insgeheim hoffe ich, dass dieser - dieses Schriftstück eine Auflage jenseits der 100.000-Marke haben wird. Yo! (*träum*)
Wow, mir fällt auf, dass auf der nächsten Seite die Karierung fehlt! - Ein Schicksalswink?!

(5:11) Neben mir sitzt irgend so ein Schwein. Der Idiot kaut einen Kaugummi so laut, dass das ganze Abteil mithören kann.
(5:30) Junge, Junge, wenn ich behaupte, der Penner kaut wie ein Schwein, dann ist das eine Beleidigung an alle Schweine. Das ist sowieso ein komischer Zug: das Klo (bzw. einige von den vielen) ist völlig versifft und gerade eben ist ein Typ mit Kampfhund hier durch gelaufen und hat was von Police gelabert.
Wenn der Arsch nicht bald aufhört, setz' ich mich um!!!
(5:43) Wir sind in Antwerpen.


 
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